12. Kalkulation im Handel

12.1. Beschaffungskalkulation

Der typische Handelsbetrieb ist ein Mehrproduktunternehmen, in dem normalerweise als Kalkulationsverfahren die Zuschlagskalkulation Anwendung findet. In Handelsbetrieben muss zwischen Beschaffungs- und Absatzkalkulation unterschieden werden.

Die Beschaffungskalkulation dient letztlich der Ermittlung der Selbstkosten der eingekauften Waren. Ausgangspunkt für die Kalkulation dieser Selbstkosten stellt der Listeneinkaufspreis der Waren dar. Vom Verkäufer gewährte Rabatte kann der Käufer vom Listeneinkaufspreis abziehen um den sogenannten Zieleinkaufspreis zu ermitteln.

Beispiel: Der Einzelhändler (E) bezieht vom Großhändler (G) Waren zum Listeneinkaufspreis von 5.000 €. Hierauf gewährt ihm G einen Rabatt von 10 %.


G gewährt auf den Zieleinkaufspreis bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen 3 % Skonto. Jetzt lässt sich der sogenannte Bareinkaufspreis ermitteln:


Wenn nun die Bezugskosten (Frachten, Rollgelder usw.) 5 % vom Bareinkaufspreis betragen, dann lässt sich dieser Bezugspreis folgendermaßen ermitteln:


Im Handel entstehen genau wie bei der industriellen Produktion Gemeinkosten wie z. B. Personalkosten, kalkulatorische Abschreibungen, kalkulatorische Zinsen, sonstige Kosten usw. Diese Gemeinkosten werden im Handel als Handlungskosten bezeichnet. Für diese Handlungskosten wird im BAB der Handlungskostenzuschlagssatz ermittelt, dessen Zuschlagsgrundlage der Bezugspreis darstellt. Beträgt der Handlungskostenzuschlagssatz beispielsweise 20 %, so lassen sich nun die Selbstkosten der Waren ermitteln:


12.2. Absatzkalkulation

Bei der Absatzkalkulation muss zunächst unterschieden werden, ob der Verkäufer den Angebotspreis selbst bestimmen kann (progressive Angebotskalkulation, Vorwärtskalkulation) oder ob der Angebotspreis vom Markt vorgegeben wird (retrograde Angebotskalkulation, Rückwärtskalkulation). Im ersten Fall bestimmt der Verkäufer seinen Gewinnzuschlag selbst, im zweiten Fall ergibt sich der Gewinnzuschlag als Residualgröße.

Progressive Angebotskalkulation:

Der Einzelhändler als Verkäufer der Waren legt seinen Gewinnzuschlag mit 10 % fest. Aus Selbstkosten plus Gewinnzuschlag ergibt sich dann der Barverkaufspreis:


Gewährt der Einzelhändler seinen Kunden beispielsweise 3 % Skonto auf den Zielverkaufspreis, so kann der Zielverkaufspreis durch eine Im-Hundert-Rechnung ermittelt werden:


Skonto = 5.458,55 / 97 * 3 = 168,82

Gewährt der Händler seinen Kunden einen Rabatt von beispielsweise 5 % auf den Angebotspreis (auch als Nettoverkaufspreis bezeichnet), so kann der Angebotspreis nun ebenfalls durch eine Im-Hundert-Rechnung ermittelt werden:


Rabatt = 5.627,37 / 95 * 5 = 296,18

Der Angebotspreis muss nun noch um den jeweils gültigen Mehrwertsteuersatz erhöht werden um den Auszeichnungspreis zu erhalten.

Retrograde Angebotskalkulation:

Bieten Konkurrenten das gleiche Produkt zu einem Preis von 5.700,00 € an, so wird unser Einzelhändler diesen Preis nicht überschreiten können, er muss bei der Angebotskalkulation also retrograd vorgehen:


Vom Angebotspreis von 5.700,00 € werden 5 % Rabatt subtrahiert, woraus sich der Zielverkaufspreis von 5.415,00 € ergibt. Von diesem wiederum werden zur Ermittlung des Barverkaufspreises 3 % Skonto abgezogen, was zum Barverkaufspreis von 5.252,55 führt. Der Gewinnzuschlag von 290,23 (5,85 % von den Selbstkosten) ergibt sich nun aus der Differenz zwischen Barverkaufspreis und Selbstkosten.

Die retrograde Angebotskalkulation wird auch oft als Differenzkalkulation bezeichnet, weil mit ihrer Hilfe überprüft wird, ob ein ausreichender Gewinn als Differenz zwischen tatsächlichem Verkaufspreis und Selbstkosten verbleibt.

12.3. Wichtige Kennziffern im Handel

Die erste Kennziffer, die für den Händler von Bedeutung ist, ist der so genannte Rohgewinn:


Unter Bezugspreis (BP) versteht man üblicherweise den Einkaufspreis der Waren einschl. der Bezugskosten, also z.B. Verpackung, Fracht, Rollgeld, Versicherung, Zoll etc. Nicht enthalten im Bezugspreis sind die Handlungskosten.

Als Handelsspanne wird dann das prozentuale Verhältnis von Rohgewinn zu Angebotspreis bezeichnet:


Der Kalkulationszuschlag ist das prozentuale Verhältnis von Rohgewinn zu Einkaufspreis:


Der Kalkulationszuschlag enthält alle Handlungskosten, den Gewinn und andere Verkaufsaufschläge wie Rabatte und Skonti. Ist der Kalkulationszuschlag bekannt, so erleichtert dieser in Zukunft die Ermittlung des Angebotspreises. Wenn der Kalkulationszuschlag beispielsweise 50 % beträgt und Waren zum Bezugspreis von 500 € erworben werden, so können diese zu 750 € angeboten werden. Bei diesem Angebotpreis sind Handlungskosten, Skonti und Rabatte abgedeckt und es verbleibt noch ein Gewinn.

In der Praxis wird oft mit dem sogenannten Kalkulationsfaktor gerechnet:


Beispiel:

Ein Händler hat in einer Periode Waren zum Bezugspreis von 400.000 € bezogen, die er zum Angebotspreis von 700.000 € in der gleichen Periode verkauft hat.





Der Kalkulationsfaktor kann nun benutzt werden, um bei neu eingekaufter Ware den Verkaufspreis zu ermitteln, wenn die Handelsspanne bzw. der Kalkulationszuschlag ausreichend sind, um die Kosten zu decken, die neben den reinen Bezugskosten der Ware anfallen.

Wenn der Bezugspreis eines Warenpostens z.B. 200,00 € beträgt, wird der Auszeichnungspreis incl. 16 % Mehrwertsteuer folgendermaßen ermittelt:


12.4. Der BAB im Handel

Aus einer Lebensmittelgroßhandlung sind folgende Daten bekannt:


Ermittlung des Wareneinsatzes:

Unter Wareneinsatz versteht man die in einer Periode zur Erzielung eines bestimmten Umsatzes erforderliche Warenmenge, bewertet zum Einstandspreis (entspricht dem Bezugspreis). Der Wareneinsatz kann wie folgt ermittelt werden:


Der Wareneinsatz im Handel entspricht letztlich den Herstellkosten der umgesetzten Erzeugnisse in Industriebetrieben..

Vor dem Erstellen eines BAB müssen zunächst die Kostenstellen in eine geeignete Reihenfolge gebracht werden. Bei Anwendung des Stufenleiterverfahrens sollten diejenigen Kostenstellen ganz nach links gebracht werden, die am wenigsten Leistungen von den anderen Kostenstellen empfangen. Dies ist erforderlich, um den systemimmanenten Fehler der ausschließlichen Kostenverrechnung nach rechts möglichst gering zu halten..

Der BAB enthält 3 allgemeine Kostenstellen, nämlich Fuhrpark, Strom und Geschäftsführung. Die Kosten der Kostenstelle Geschäftsführung lassen sich nicht nach dem Verursachungsprinzip auf die Warengruppen umlegen, deshalb wird nach dem Prinzip der Kostentragfähigkeit, also nach den Umsatzerlösen der Warengruppen verteilt..

Verteilung der Kosten des Fuhrparks:.

In dieser Kostenstelle sind Kosten in Höhe von 1.400 T€ entstanden bei insgesamt 4.900 gefahrenen Kilometern. Dies ergibt 1.400 / 4.900 = 0,2857 T€/km.

In der Kostenstelle "Strom" sind nach der Umlage der Fuhrparkkosten insgesamt Kosten in Höhe von 3.891,43 € entstanden. Pro verbrauchtem kWh ergibt dies Kosten von 0,149097. Diese Kosten werden entsprechend der verbrauchten kWh auf die übrigen Kostenstellen verteilt.

Entsprechend werden die Kosten der Geschäftsführung im Verhältnis der Umsatzerlöse auf die Warengruppen umgelegt (1.222,20 / 67.000 = 0,018241791).


Es ergibt sich nun das folgende Kalkulationsschema:


Aufgaben zum Kapitel "Die kalkulatorischen Kostenarten"