6. Maschinenstundensatzrechnung

6.1. Warum Maschinenstundensatzrechnung

Bisher wurden im Rahmen der Zuschlagskalkulation die Fertigungslöhne (FEK) als Zuschlagsgrundlage für die Fertigungsgemeinkosten herangezogen. Diese Vorgehensweise unterstellt, dass ein Zusammenhang zwischen Fertigungslöhnen und Fertigungsgemeinkosten besteht. Je höher die Fertigungslöhne für ein Produkt sind, desto mehr Fertigungsgemeinkosten werden diesem Produkt zugerechnet. Hierzu ein einfaches Beispiel:

Das Produkt A verursacht Fertigungslöhne in Höhe von 100 € und das Produkt B verursacht Fertigungslöhne von 200 €. Bei einem Zuschlagsatz von 250 % im Fertigungsbereich ergibt dies die folgenden Fertigungskosten für die beiden Produkte:


Wegen des bei der Zuschlagskalkulation unterstellten Zusammenhangs zwischen Fertigungslöhnen und Fertigungsgemeinkosten steigen die Fertigungsgemeinkosten proportional mit den Fertigungslöhnen.

Bei den in der industriellen Produktion wichtigsten Fertigungsgemeinkostenarten existiert der unterstellte Zusammenhang jedoch nicht:

Fertigungsgemeinkostenarten, bei denen kein Zusammenhang mit den Fertigungslöhnen besteht:

Für die Verwendung der Fertigungslöhne als Zuschlagsgrundlage für sämtliche Fertigungsgemeinkostenarten spricht lediglich die einfache Handhabung.

Diesem Vorteil stehen jedoch schwerwiegende Nachteile gegenüber:

Durch die MSSR (MaschinenStundenSatzRechnung) sollen die Nachteile der Zuschlagskalkulation beseitigt werden, wobei die MSSR lediglich bei der Ermittlung der Fertigungskosten von der Zuschlagskalkulation abweicht.

Um eine MSSR durchführen zu können, ist es zunächst erforderlich, die Fertigungsgemeinkosten in maschinenabhängige und maschinenunabhängige Gemeinkosten (Restgemeinkosten) aufzuspalten:


Zu den Restgemeinkosten zählen i. d. R die folgenden Fertigungsgemeinkostenarten:

Bei der MSSR wird in mehreren Schritten vorgegangen:

  1. Ermittlung der Maschinenlaufzeit
  2. Ermittlung des Maschinenstundensatzes
  3. Ermittlung der Fertigungskosten

6.2. Ermittlung der Maschinenlaufzeit

Um zum Maschinenstundensatz zu gelangen, ist es zunächst erforderlich, die jährliche bzw. monatliche Laufzeit einer Maschine zu ermitteln.

Maschinenlaufzeit ist diejenige Zeit, in der die Maschine tatsächlich läuft.
Die Maschinenzeit ist diejenige Zeit, in der die Maschine theoretisch laufen könnte, wenn sie ständig in Betrieb wäre.

Berechnung der Maschinenzeit:

365,25 * 24 Std. = 8.766 Std./Jahr (Schaltjahre werden berücksichtigt)

Die Stillstandszeit umfasst:

Die Maschinenlaufzeit wird in einem Industriebetrieb nach Möglichkeit so geplant, dass die Anzahl der Ruhestunden (Zeiten, in denen die Maschine nicht läuft) gering ist. Von den maximal zur Verfügung stehenden Arbeitsstunden sind die Zeiten abzuziehen, in denen die Maschine erfahrungsgemäß stillsteht.

Beispiel:

In einer 40-stündigen Arbeitswoche läuft eine Maschine planmäßig 37,5 Stunden. Die restlichen 2,5 Stunden sind erforderlich, um die Maschine umzurüsten, einzurichten und zu reinigen. 4 Wochen im Jahr kann die Maschine aufgrund von Feiertagen und Urlaub nicht genutzt werden. Die geplante jährliche Nutzung bei Normalbeschäftigung beläuft sich also auf

37,5 Stunden * 48 Wochen = 1.800 Std./Jahr

1.800 / 12 = 150 Std./Monat

6.3. Ermittlung des Maschinenstundensatzes

Mithilfe der maschinenabhängigen Fertigungsgemeinkosten lässt sich der Maschinenstundensatz ermitteln:


In der Vorkalkulation Markt wird der aus den geplanten Fertigungsgemeinkosten und den geplanten Maschinenstunden errechnete Maschinenstundensatz angewendet. Die so ermittelten Selbstkosten eines Auftrags sind in der Nachkalkulation anhand der tatsächlichen Maschinenstunden zu kontrollieren.

Die maschinenabhängigen Fertigungsgemeinkosten sind zu unterteilen in:

Die folgende Übersicht zeigt die Einteilung der maschinenabhängigen Fertigungsgemeinkosten in fixe und variable Gemeinkosten auf der Grundlage einer Beschäftigung von 150 Laufstunden im Monat:


Bei 150 Laufstunden je Monat ergeben sich fixe maschinenabhängige Fertigungsgemeinkosten von 6.390 / 150 = 42,60 €/Std.

Der Maschinenstundensatz beläuft sich also insgesamt auf

42,60 + 13,40 = 56,00 €

Bei einer Erhöhung der Laufzeit geht der Maschinenstundensatz zurück, weil sich die fixen maschinenabhängigen Fertigungsgemeinkosten auf eine größere Stundenzahl verteilen, während der Stundensatz der variablen maschinenabhängigen Fertigungsgemeinkosten konstant bleibt.

Werden auf einer Maschine nun verschiedene Produkte hergestellt, so ist bei der Kalkulation dieser Produkte die jeweils von ihnen benötigte Maschinenlaufzeit zu berücksichtigen.

Benötigt das Produkt A die Maschine nur 30 Minuten während das Produkt B 1 Std. Maschinenlaufzeit belegt, so sind bei der Kalkulation von einer Einheit A nur 28 € , bei B hingegen 56 € Maschinenkosten zu berücksichtigen.

Im Kalkulationsschema ergeben sich bei Kalkulation mit Maschinenstundensätzen folgende Änderungen:


Beispiel zur Maschinenstundensatzrechnung:

Die Anschaffungskosten einer Maschine betragen 100.000 €, die Nutzungsdauer beträgt 10 Jahre, die kalkulatorische AfA erfolgt linear auf die voraussichtlichen Wiederbeschaffungskosten von 150.000 €. Die kalkulatorischen Zinsen werden mit 12 % von den Anschaffungskosten berechnet. Die Instandhaltungskosten werden mit 10.000 € pro Monat veranschlagt, an Platzkosten entstehen monatlich 1.000 €. Die Grundgebühr für Energiekosten beträgt 100 € im Monat, der Stromverbrauch der Maschine beträgt 1,25 kWh bei einem Kilowattpreis von 0,20 €. Die Betriebsstoffkosten betragen 200 € im Monat.

Als Fixkosten gelten.

80 % der AfA, 30 % der Instandhaltungskosten, die Grundgebühr, die kalkulatorischen Zinsen und die Platzkosten in voller Höhe.

Zu berechnen ist der Maschinenstundensatz bei einer Laufzeit von 160 Stunden im Monat.



Bei Umstellung auf Zweischichtbetrieb bei einer Maschinenlaufzeit von 320 Std. im Monat ergibt sich ein neuer Maschinenstundensatz von:


Anmerkung:

Aufgaben zum Kapitel "Maschinenstundensatzrechnung"

Aufgaben zum Kapitel "Die kalkulatorischen Kostenarten"