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5. Kostenträgerrechnung

5.1. Begriff und Aufgaben

Unter Kostenträgerstückrechnung (auch als Kalkulation bezeichnet) versteht man die Zurechnung der Kosten auf die Kostenträger.

Die Kostenträgerstückrechnung stellt die Frage: Wofür sind die Kosten entstanden. Sie hat die Aufgabe, die Herstell- und Selbstkosten, die bei der Erstellung von absatzfähigen Erzeugnissen oder Eigenleistungen entstanden sind, auf die Leistungseinheiten (Kostenträger) zu verteilen.

Die Ermittlung der Herstellkosten und Selbstkosten der Kostenträger dient

Ein für alle Betriebe verwendbares Kalkulationsverfahren gibt es nicht. Welches Kalkulationsverfahren zum Einsatz kommt, hängt vor allem vom Fertigungsverfahren (Massenfertigung, Einzelfertigung, usw.) ab. In jeder Kalkulation werden jedoch die gleichen Kostenarten in einer bestimmten Reihenfolge berücksichtigt, so dass es ein allgemeingültiges Grundschema der Kalkulation gibt:



Die Sondereinzelkosten der Fertigung und die Sondereinzelkosten des Vertriebs werden ausführlich im Kapitel "5.5. Zuschlagskalkulation" erläutert.

In der Kalkulation erfolgt die Ermittlung der Herstellkosten zunächst für interne Zwecke. Hierbei brauchen keinerlei gesetzliche Vorschriften berücksichtigt zu werden. Eine externe Bewertung der Halb- und Fertigerzeugnisse ist für die Handels- und Steuerbilanz erforderlich. Die Wertansätze aus der Kostenrechnung müssen i.d.R. für diese externe Bewertungszwecke korrigiert werden.

5.2. Fertigungs- und Kalkulationsverfahren

Werden die Fertigungsverfahren danach unterteilt, wie viele Produkte der gleichen oder unterschiedlichen Art im Betrieb gleichzeitig oder nacheinander hergestellt werden, so ist zwischen Massenfertigung, Sortenfertigung, Einzelfertigung, Serienfertigung und Kuppelproduktion zu unterscheiden. Dieses Einteilungskriterium ist für die Kostenträgerstückrechnung relevant.

a. Massenfertigung (Divisionskalkulation)

Unter Massenfertigung versteht man ein Produktionsverfahren, bei dem ein einheitliches Produkt in großen Stückzahlen hergestellt wird.

Beispiele: Elektrizitätswerk, Wasserwerk, Zigarettenindustrie

Die Massenfertigung ist also gekennzeichnet durch:

b. Sortenfertigung (Äquivalenzziffernverfahren)

Sortenfertigung liegt vor, wenn die hergestellten Produkte nicht mehr gleich, wohl aber verwandt und damit vergleichbar sind.

Von der Einzelfertigung unterscheidet sich die Sortenfertigung dadurch, dass die Stückzahl einer produzierten Sorte begrenzt ist, es muss von Zeit zu Zeit eine Umstellung auf die Produktion einer anderen Sorte erfolgen.

Beispiele:

Kerzenfabrik: Es werden Kerzen aus dem gleichen Material, aber mit verschiedenem Gewicht hergestellt.

Ziegelei: Es werden Backsteine mit verschiedenem Volumen hergesteellt.


c. Einzelfertigung (BAB I und Zuschlagskalkulation)

Fertigungsverfahren, bei dem jedes Erzeugnis nur einmal hergestellt wird, sich also von anderen durch Größe, Leistungsvermögen, Form und Art der eingesetzten Stoffe unterscheidet.

Einzelfertigung ist oft Auftragsfertigung. (Schiffsbau, Maschinenbau, Investitionsgüterindustrie)

d. Serienfertigung (Serienkalkulation)

Von Serienfertigung spricht man, wenn mehrere gleichartige oder in entscheidenden Teilen ähnliche Produkte in begrenzten Stückzahlen neben oder nacheinander in unterschiedlichen Fertigungsgängen hergestellt werden.

Beispiele für Serienfertigung findet man in der Auto-, Möbel- und Elektroindustrie.

Die Serienfertigung hat große Ähnlichkeit mit der Sortenfertigung. Bei der Sortenfertigung werden mehrere Varianten einer Produktart hergestellt, bei der Serienfertigung mehrere Produktarten.

e. Kuppelproduktion (Verteilungs-, Marktwert-, Restwertrechnung)

Kuppelproduktion liegt vor, wenn bei einem Produktionsprozess zwangsläufig mehrere unterschiedliche Erzeugnisse in stets gleichem Mengenverhältnis entstehen.

Einfache Beispiele für Kuppelproduktionsprozesse sind: Bei der Förderung von Kiesel wird zwangsläufig Kiessand mit gefördert. Bei der Erzeugung von Nutzholz, welches in der Möbelindustrie Verwendung finden soll, entsteht zwangsläufig Brennholz.

Die meisten Kuppelproduktionsprozesse finden in der chemischen Industrie statt.

5.3. Divisionskalkulation

5.3.1. Einstufig summarische Divisionskalkulation

Bei der Divisionskalkulation kann man folgende Formen unterscheiden:


Für die Anwendung der einstufigen Divisionskalkulation müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Das Unternehmen stellt nur ein Produkt her
  2. Das hergestellte Produkt ist nicht lagerfähig, d.h. die in einer Periode produzierten Mengen stimmen mit den abgesetzten Mengen überein.

Diese beiden Voraussetzungen sind nur in sehr seltenen Fällen, wie z.B. bei einem Elektrizitätswerk, bei Transportleistungen oder generell im Dienstleistungsbereich, erfüllt.

Nur wenn die Voraussetzung 2 erfüllt ist, kann die einstufige Divisionskalkulation durchgeführt werden. Eine Trennung der Kosten in Herstellkosten und Verwaltungs- und Vertriebskosten ist dann nicht erforderlich, da keine Bestandsbewertung zu Herstellkosten erfolgen muss, da es keine Bestände geben kann.

Bei Vorliegen der genannten Voraussetzungen können die Selbstkosten nach der folgenden einfachen Formel ermittelt werden:


Eine Aufgabe der Kostenrechnung, durch Ermittlung der Selbstkosten eine Entscheidungsgrundlage zur Preisfindung zu liefern, ist damit erfüllt. Eine wirksame Kostenkontrolle ist jedoch nicht möglich, da weder die Kostenentwicklung einzelner Kostenarten noch die Kostenentwicklung in einzelnen Kostenstellen erfolgen kann.


5.3.2. Einstufige verfeinerte Divisionskalkulation

Zum Zweck der Kostenkontrolle ist in jedem Fall eine Unterteilung in Kostenstellen und/oder Kostenarten wünschenswert.

Die Gesamtkosten können in Kostengruppen gegliedert und verrechnet: werden z. .B.:

K1 = Kosten des Materialbereichs
K2 = Kosten des Verwaltungsbereichs
K3 = Kosten des Fertigungsbereichs
K4 = Kosten des Vertriebsbereichs

Die Stückkosten können dann nach der folgenden Formel bestimmt werden:


Die verfeinerte Divisionskalkulation macht es möglich, mit Hilfe eines Kostenkontrollbogens die Entwicklung einzelner Kostenarten bzw. Kostenartengruppen zu verfolgen und Gründen für deren Veränderung nachzugehen. Ebenso wird eine Kostenkontrolle in den einzelnen Kostenbereichen bzw. Kostenstellen möglich. Ein einfacher Kostenkontrollbogen könnte etwa folgendermaßen aufgebaut sein:

Kostenkontrollbogen Monat: Oktober 2007


Anhand des Kostenkontrollbogens können dann Vergleiche mit früheren Perioden durchgeführt werden.


5.3.3. Mehrstufige Divisionskalkulation

Die mehrstufige Divisionskalkulation wird notwendig, wenn zur Herstellung des Produktes mehrere Produktionsstufen erforderlich sind. In einem solchen Fall können auf jeder Produktionsstufe Abfälle entstehen und es können Zwischenprodukte gelagert werden. Erst die mehrstufige Divisionskalkulation macht eine Bewertung der Lagerbestände auf den verschiedenen Produktionsstufen möglich.

Beispiel Steinbruch:


Auf der ersten Produktionsstufe ist die Berechnung des Tonnenpreises denkbar einfach:


Auf der zweiten Produktionsstufe ist nun zu berücksichtigen, dass hier 500 t Abfall entsteht, d.h. auf der zweiten Produktionsstufe verbleiben nur 4.500 t. Die Kosten dieser 4.500 t können nun folgendermaßen berechet werden:


Mit dem Produkt aus 16 * 5.000 werden die Kosten der ersten Produktionsstufe berechnet, zu denen die Kosten der zweiten Produktionsstufe (64.000) hinzuaddiert werden. Damit erhält man sämtliche Kosten, die bis einschl. Produktionsstufe 2 entstanden sind. Dividiert man diese Gesamtkosten durch die auf Produktionsstufe 2 erzeugte Menge, so erhält man die Kosten pro Mengeneinheit bis einschl. Produktionsstufe 2.

Auf der dritten Produktionsstufe entstehen wiederum 400 t Abfall:


Die vierte Produktionsstufe ist die Verladestelle. Zu berechnen sind hier die Kosten/t verladener Split. Verladen werden nur 3.800 t, da 300 t nach Durchlaufen der Produktionsstufe 3 gelagert werden. Die Berechnung der Kosten für den verladenen Split sieht nun folgendermaßen aus:


Die Lagerbestandsbewertung auf Produktionsstufe 3:


Aufgaben zum Kapitel "Divisionskalkulation"

5.4. Äquivalenzziffernrechnung

5.4.1. Definition und Überblick

Das Kalkulationsverfahren "Äquivalenzziffernrechnung" ist kein eigenständiges Kalkulationsverfahren, sondern lediglich eine Verfeinerung der Divisionskalkulation und findet Anwendung bei der Sortenfertigung.

"Unter Äquivalenzziffern versteht man Verhältniszahlen, die angeben, wie sich die Kostenverursachung der Sorten von den Kosten einer Einheitssorte unterscheiden, der meist die Äquivalenzziffer 1 zugeteilt wird"

Die Äquivalenzziffernrechnung wurde wahrscheinlich in Blechwalzbetrieben eingeführt, die Bleche verschiedener Stärken herstellten. Je dünner das hergestellte Blech war, desto höher war die zugeordnete Äquivalenzziffer, weil die dünneren Bleche höhere Bearbeitungszeiten beanspruchten. Weitere Beispiele für Betriebe, in denen die Äquivalenzziffernrechnung Anwendung findet sind Ziegeleien, die Backsteine unterschiedlicher Größe oder unterschiedlicher Brenndauer herstellen, Brauereien mit mehreren Biersorten, Bonbonfabriken, die aus dem gleichen Grundstoff Bonbons verschiedener Größe herstellen und Sägewerke, die Stämme mit verschiedenen Durchmessern zu unterschiedlich großen Brettern verarbeiten.

Bei der Äquivalenzziffernrechnung lassen sich grundsätzlich vier Verfahren unterscheiden:

  1. Werden die gesamten Selbstkosten nach einem einzigen Kriterium auf die Erzeugnisse verteilt, so spricht man von einfacher Äquivalenzziffernrechnung.
  2. Werden für verschiedene Kostenarten oder Kostengruppen (Materialkosten, Fertigungskosten, Verwaltungs- und Vertriebskosten) jeweils eigene Äquivalenzziffern gebildet, so spricht man von differenzierender Äquivalenzziffernrechnung.
  3. Erfolgt die Herstellung der Produkte in mehreren Produktionsstufen und werden für die verschiedenen Produktionsstufen auch verschiedene Äquivalenzziffern gebildet, so spricht man von mehrstufiger Äquivalenzziffernrechnung.
  4. Existieren für verschiedene Kostenarten verschiedene Äquivalenzziffern und sind nur die Gesamtkosten des Produktionsprozesses bekannt, so wendet man das multiplikative Verfahren an

Die Festlegung der Äquivalenzziffern selbst wird meist nach Materialgewicht, Blechstärke, Produktgröße, Gewicht, Längen, Durchmessern, Fertigungszeiten oder ähnlichen technischen oder physikalischen Maßgrößen vorgenommen.

b. Einfache Äquivalenzziffernrechnung

Für die Anwendung der einfachen Äquivalenzziffernrechnung müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Produzierte und abgesetzte Mengen der Betrachtungsperiode müssen gleich sein, es darf also keine Bestandsänderung bei den Fertigerzeugnissen vorliegen, da dies zu Unterschieden bei den Herstellkosten der Produktion und den Herstellkosten des Umsatzes führen würde.
  2. Es muss einstufige Produktion vorliegen, oder es dürfen bei mehrstufiger Produktion keine Bestandsveränderungen in den Zwischenlagern auftreten.
  3. Es müssen sich alle Kosten proportional zu der benutzten Äquivalenzziffer (z. B. zum Gewicht der Produkte) verhalten.

Nur wenn die ersten beiden Voraussetzungen erfüllt sind, lassen sich alle Kosten auf die gleichen Mengen der verschiedenen Sorten beziehen. Die dritte Voraussetzung ist in der Praxis am schwersten zu erfüllen, da es kaum vorstellbar ist, dass sich alle Kosten proportional zu einer einzigen Äquivalenzziffer verhalten. Sollten jedoch alle Voraussetzungen tatsächlich erfüllt sein, so könnte die Kalkulation nach dem folgenden Beispiel erfolgen:

Beispiel zur einfachen Äquivalenzziffernrechnung:

Die Äquizi GmbH stellt aus dem gleichen Material die Produkte A, B und C her. Die drei Produkte unterscheiden sich lediglich hinsichtlich ihres Gewichts: Produkt A wiegt 1,0 kg, Produkt B 1,1 kg und Produkt C 1,2 kg. Das Gewichtsverhältnis der drei Produkte wird der Kostenverteilung zugrunde gelegt.

Diese Angaben werden in eine Tabelle eingetragen, wobei das Gewicht der drei Produkte als Äquivalenzziffer dient:


Nun werden in einer weiteren Spalte die so genannten Verrechnungseinheiten ermittelt, indem die produzierten Mengen der drei Produkte mit ihren Äquivalenzziffern multipliziert werden:


Die ermittelten Verrechnungseinheiten drücken die produzierten Mengen von Produkt B und C in Einheiten des Produktes A aus. Man kann folgende Aussage treffen: Die Produktion von 420 Einheiten des Produktes B wirken sich unter Kostengesichtspunkten so aus, als habe man 462 Einheiten des Produktes A hergestellt. 90 Einheiten des Produktes C entsprechen 108 Einheiten des Produktes A.

Nun ermittelt man die Höhe der Selbstkosten pro Verrechnungseinheit. Insgesamt wurden 930 Verrechnungseinheiten hergestellt. Wenn die Selbstkosten insgesamt 530.100,00 € betragen, ergeben sich die folgenden Selbstkosten pro Verrechnungseinheit:

530.100 / 930 = 570

Nun werden in einer weiteren Tabellenspalte jedem Produkt die von ihm verursachten Gesamtkosten zugeordnet, indem die Anzahl der Verrechnungseinheiten mit den Kosten pro Verrechnungseinheit multipliziert wird.


Zur Ermittlung der Stückkosten müssen nun lediglich die Gesamtkosten der drei Produkte durch die produzierten Mengen dividiert werden:


Weiteres Beispiel:

Eine Kerzenfabrik stellt Bienenwachskerzen verschiedener Größe her. Die Kosten richten sich weitgehend nach dem Gewicht der Produkte. Es liegen folgende Daten vor:


Gesamtkosten: 726.000 €

Kalkulieren Sie die Selbstkosten der verschiedenen Produkte pro Stück.

Lösung


Kosten pro Verrechungseinheit: 726.000 / 9.680 = 0,075

5.4.3. Differenzierende Äquivalenzziffernrechnung

Dieses Verfahren wird immer dann notwendig, wenn für verschiedene Kostenstellen und/oder verschiedene Kostenarten auch unterschiedliche Äquivalenzziffern ermittelt werden können.

Beispiel zur differenzierenden Äquivalenzziffernrechnung: (nach Kostenarten)

In einem Betrieb werden die Sorten A, B und C hergestellt. Die Materialkosten belaufen sich auf insgesamt 23.040 €, wobei für die Sorte B 20 % und die Sorte C 30 % mehr Material erforderlich ist als für die Sorte A.

Die drei Sorten beanspruchen eine Maschine im Verhältnis 0,8 : 1 : 1,2. Die maschinenabhängigen Fertigungskosten belaufen sich insgesamt auf 17.930 €. Wie hoch sind die Selbstkosten jeder Sorte und jedes einzelnen Produkts.

Materialkosten:


Materialkosten pro Verrechnungseinheit: 23.040 / 384 = 60

Fertigungskosten:


Fertigungskosten pro Verrechnungseinheit: 17.930 / 326 = 55


Beispiel zur differenzierenden Äquivalenzziffernrechnung (nach Kostenstellen):

In einem Industriebetrieb werden 5 Sorten hergestellt, die in zwei Fertigungsstellen bearbeitet werden. Es gelten folgende Daten:


Es fallen 5 % Materialgemeinkosten an. Die Fertigungskosten der Kostenstelle 1 betragen 97.000 €, die der Fertigungskostenstelle 2 101.700 €. An Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten sind 10 % auf die Herstellkosten zu berücksichtigen.

Es sind die Fertigungskosten, die Herstellkosten und die Selbstkosten je Stück für die einzelnen Sorten zu bestimmen.

Zunächst werden die Stückkosten der Fertigungsstelle 1 berechnet:


97.000 / 38.800 = 2,5

Berechnung der Stückkosten für Fertigungsstelle 2:


101.700 / 33.900 = 3,0

Berechnung der Selbstkosten aller Sorten:


5.4.4. Mehrstufige Äquivalenzziffernrechnung

Durchlaufen die Sorten mehrere Fertigungsstufen und treten Lagerbestandsänderungen in den Zwischenlagern auf, so wird eine mehrstufige Äquivalenzziffernkalkulation erforderlich.

Im folgenden Beispiel wird von den 4 Produkten A, B, C und D ausgegangen, die 3 Fertigungsstufen durchlaufen. In jeder Fertigungsstufe treten andere Äquivalenzziffern auf.


Gehen die gleichen Produktmengen in den einzelnen Fertigungsstufen durch Ausschuss statt durch Lagerung verloren, so ergibt sich eine andere Kalkulation:


Die Stückkosten k1+k2+k3 des Produktes A in Fertigungsstufe 3 ergeben sich folgendermaßen:


Es werden also die Gesamtkosten für Produkt A in Fertigungsstufe 1 und Fertigungsstufe 2 addiert und durch die produzierte Menge in Stufe 3 dividiert. Anschließend werden die Stückkosten dieses Produkts in Fertigungsstufe 3 addiert.

5.4.5. Das multiplikative Verfahren

Das multiplikative Verfahren wird angewandt, wenn sich ein Produkt hinsichtlich mehrerer Größen unterscheidet (z.B. eingesetzte Materialmenge, Fertigungszeit), es erfolgt jedoch keine getrennte Erfassung der Material- und Fertigungskosten. Hierbei werden die verschiedenen Äquivalenzziffern miteinander multipliziert und die Berechnung der Selbstkosten erfolgt dann aufgrund des Produktes aus den einzelnen Äquivalenzziffern.

Beispiel zum multiplikativen Verfahren:

Ein Betrieb füllt Lebensmittel in 250-g- und 500-g-Dosen ab. Die beiden Dosengrößen werden in der Konservierungsanlage unterschiedlichen Behandlungszeiten unterworfen, um die Haltbarkeitsdauer zu beeinflussen. Dadurch entstehen 4 unterschiedliche Sorten von Dosen. Konservierungszeit und Gewicht können als Äquivalenzziffern verwendet werden.

In der Betrachtungsperiode sind insgesamt 85.800 € an Kosten für die folgenden Produktmengen entstanden:


Wie hoch sind die Kosten je Sorte und je Dose einer Sorte.


85.800 / 71.500 = 1,2

Die ÄZ ergibt sich aus der Multiplikation des Doseninhalts mit der Konservierungszeit. Um nicht zu große Äquivalenzziffern zu erhalten, wurden sämtliche ÄZ durch 3.000 dividiert.


Aufgaben zum Kapitel "Äquivalenzziffernrechnung"

5.5. Zuschlagskalkulation

(z.B. Maschinenbau, Schiffsbau, Bauwirtschaft)

Die Zuschlagskalkulation wurde ausführlich im Teil "Kostenstellenrechnung" behandelt. Bisher noch nicht angesprochen wurden lediglich die Sondereinzelkosten der Fertigung und die Sondereinzelkosten des Vertriebs.

Sondereinzelkosten

Sondereinzelkosten (SEK) der Fertigung entstehen nicht regelmäßig bei der Fertigung, sondern nur ausnahmsweise. SEK der Fertigung können sein:

Kosten für Modelle, Lizenz- und Patentkosten, Berücksichtigung von Kundensonderwünschen, Konstruktionszeichnungen, Kosten für Spezialwerkzeuge, die nur für einen bestimmten Auftrag benötigt werden usw.

Sondereinzelkosten des Vertriebs entstehen als besondere Kosten des Vertriebs und sind daher den einzelnen Aufträgen direkt zurechenbar. Dazu gehören Ausgangsfrachten, Transportversicherungen für Ausgangserzeugnisse, Kosten für Verpackung und Verkaufsprovision.

Bei der Behandlung der Sondereinzelkosten der Fertigung bei der Kalkulation von Einzelprodukten muss berücksichtigt werden, dass die im BAB ermittelten Zuschlagsätze ohne Berücksichtigung von SEK ermittelt wurden. Dies erfordert die im folgenden Beispiel dargestellten Änderungen bei der Stückkalkulation:

Ein Unternehmen kalkuliert mit folgenden Zuschlagsätzen:


Das Produkt X verursacht folgende Einzelkosten:


Kalkulationsschema:


Die Herstellkosten ohne Sondereinzelkosten der Fertigung (SEK-F) werden oft als HK I bezeichnet, während die Herstellkosten inklusive der SEK-F HK II genannt werden.

Die SEK der Fertigung gehören zwar zu den Herstellkosten des Produktes X, die Zuschlagsätze des Verwaltungs- und Vertriebsbereiches werden jedoch nur auf die Herstellkosten ohne die SEK-F angewandt, wenn bei der Ermittlung dieser Zuschlagsätze im BAB ebenfalls keine SEK berücksichtigt wurden.

5.6. Kalkulation bei Serienfertigung

Serienfertigung liegt vor, wenn mehrere gleichartige, oder in entsprechenden Teilen ähnliche Produkte in begrenzten Stückzahlen neben- oder nacheinander in unterschiedlichen Fertigungsgängen hergestellt werden.

Serienfertigung ist typisch für

Die Kosten- und Leistungsrechnung ist bei der Serienfertigung organisiert wie bei der Einzelfertigung.

Jede während eines Zeitabschnitts hergestellte Serie wird wie ein Kostenträger behandelt.

Die Einzelkosten verschiedener Serien ermittelt man direkt durch die Kostenartenrechnung mit Hilfe von Belegen der Buchführung.

Die Gemeinkosten eines Zeitabschnitts werden durch Gemeinkostenzuschläge den einzelnen gefertigten Serien zugerechnet. Dieser Rechenschritt setzt voraus, dass zunächst in einem BAB Zuschlagsätze errechnet werden.

Die Selbstkosten je Stück werden dann durch Division der Gesamtkosten einer Serie durch die Zahl/Menge der einzelnen Serienstücke errechnet. Dies entspricht der Divisionskalkulation bei Massenfertigung.

Die Kostenträgerstückrechnung bei Serienfertigung ist also eine Kombination aus Zuschlagskalkulation und Divisionskalkulation.

Beispiel:

In einem Unternehmen der Verpackungsmittelindustrie werden Papiersäcke hergestellt:

Wie hoch sind die Selbstkosten je Serie und je Stück für 5.000 bedruckte 50-kg-Zuckersäcke und 10.000 verstärkte 50-kg-Zementsäcke?

Kalkulationsdaten aus der Kostenartenrechnung:


Der BAB weist für die Abrechnungsperiode folgende Gemeinkostenzuschlagsätze aus:



Aufgaben zum Kapitel "Serienfertigung"

5.7. Kalkulation bei Kuppelproduktion

5.7.1. Definition:

Kuppelproduktion liegt vor, wenn ein bestimmtes Produkt nicht hergestellt werden kann, ohne dass gleichzeitig aus dem gleichen Rohmaterial ein oder mehrere Produkte notwendigerweise miterzeugt werden.

Beispiele:


Das kostenrechnerische Problem bei der Kuppelproduktion liegt in der Ermittlung der Herstellkosten der einzelnen Kuppelprodukte, weil die Verteilung der Herstellkosten nach dem Verursachungsprinzip nicht möglich ist:

In der Praxis werden deshalb so genannte Hilfsrechnungen angewandt:

Hilfsrechnungen:

  1. Restwertrechnung
  2. Marktwertrechnung
  3. Verteilungsrechnung

5.7.2. Restwertrechnung

Die Restwertrechnung findet Anwendung, wenn der Produktionsprozess ein Hauptprodukt und mehrere Nebenprodukte hervorbringt.

Bei einem Produktionsprozess entstehen 1.000 kg des Hauptproduktes X, wobei die Herstellkosten des Produktionsprozesses sich auf insgesamt 10.000 € belaufen. Die Höhe der Zuschlagssätze belaufen sich auf 10 % im Verwaltungsbereich und 5 % im Vertriebsbereich. Das Hauptprodukt verursacht noch 3,00 € Sondereinzelkosten des Vertriebs.

Für die Nebenprodukte liegen folgende Angaben vor:


Kalkulation des Hauptproduktes:


Kritik an der Restwertrechnung:

5.7.3. Marktwertrechnung

Wenn beim Kuppelproduktionsprozess nicht ein Hauptprodukt und mehrere Nebenprodukte, sondern mehrere Hauptprodukte erzeugt werden, wird die Marktwertrechnung angewandt.

Die Marktwertrechnung ist eine Äquivalenzziffernrechnung, wobei die Marktpreise der Produkte als Äquivalenzziffern benutzt werden. Die Kosten werden also im Verhältnis der Marktpreise auf die Kostenträger verteilt. Dies bedeutet eine Kostenverteilung nach dem Tragfähigkeitsprinzip.

Beispiel:

Bei einem Kuppelproduktionsprozess entstehen die drei Hauptprodukte A, B und C. Die gesamten Herstellkosten des Produktionsprozesses belaufen sich auf 11.750 €. Von den drei Produkten sind die folgenden Daten bekannt:


Die Herstellkosten werden nun nach dem Marktwert der Produkte verteilt:


Auf jeden Euro Erlöse entfallen also 0,5 € Kosten

Wenn die Zuschlagssätze im Verwaltungs- und Vertriebsbereich wieder 10 % bzw. 5 % betragen und für A 0,50 €, für B 0,80 € und für C 1,00 € Sondereinzelkosten des Vertriebs anfallen, betragen die Selbstkosten der drei Produkte:


Kritik an der Marktwertrechnung:

5.7.4. Verteilungsrechnung

Die Verteilungsrechnung basiert auf dem gleichen Grundgedanken wie die Marktwertrechnung. Als Äquivalenzziffern benutzt die Verteilungsrechnung jedoch nicht die Marktpreise, sondern technische oder physikalische Größen (Gewichte, Volumenverhältnisse), die beim Produktionsprozess eine Rolle spielen.

Beispiel:

Beim Kiesabbau fällt Rohkies und Kiessand im Gewichtsverhältnis 7 : 3 an. Die Kosten einer Periode belaufen sich auf 100.000 €.

100.000 / 10 = 10.000


Kritik an der Verteilungsrechnung:

Aufgaben zum Kapitel "Kuppelproduktion"